Nachdem ich einen Bericht angehört habe über die Reaktionen des Publikums von unserem Dokumentarfilm ‚i was 8814‘ ,der am 2. August im Museum für Jüdisches Erbe in New York City ,A Living Memorial to Holocaust’ [dt. Lebendige Erinnerung an den Holocaust] gezeigt wurde, möchte ich meine Gedanken dazu teilen.

Zwei Hauptthemen wurden dort hervorgehoben:

  • Fragen zu einer Jüdin, die Jesus folgt und
  • der Gedanke der Vergebung

Die Reaktionen des Publikums zu hören nach dem Anschauen meiner 

Lebensgeschichte war schmerzhaft. Die Worte der Zuschauer blieben bei mir und füllten die Leinwand meiner Seele.

Aber ich wurde herausgefordert, darüber nachzusinnen und zu fragen: Wer bin ich?

  • Die DNS identifiziert mich als Aschkenasische Jüdin.
  • Geboren bin ich als deutsche Jüdin.
  • Vom Tod errettet wurde ich durch den Kindertransport.
  • Meine Eltern wurden in einem Lastwagen in Polen vergast.

Ja, zum ersten Mal habe ich den Namen Jesus als 7-Jährige im Haus von Pflegeeltern im Vereinigten Königreich gehört, nachdem ich durch den Kindertransport gerettet worden war.

Ja, ich wurde als verletzliches Kind in einer Zeit des großen Verlustes zum Glauben hingezogen.

Nicholas Winston, der Held der Tschechischen Kindertransporte wurde dafür kritisiert, die jüdischen Kinder in christlichen Häusern unterzubringen. Er entgegnete, seine Priorität sei, das Leben jüdischer Kinder zu retten und sie dort unterzubringen, wo auch immer ein Zuhause verfügbar war. Ich landete bei Christadelphians (Christus Brüdern).

In meiner Jugend hinterfragte ich das Glaubenssystem der Christadelphians, wo ich zum ersten Mal den Namen Jesus gehört hatte, und verwarf es dann. In meinen frühen Zwanzigern wurde mir mein inneres Chaos, das durch das Trauma der Verluste in meiner Kindheit verursacht worden war, immer mehr bewusst. Dann folgten mehrere Jahre der Suche.

Aber schließlich fand Er mich! Ich war eine Erwachsene, als ich die persönliche, wohl überlegte Entscheidung traf, mein Herz für Jesus als meinem Messias zu öffnen.

Meine Überzeugung war stark, aber ich fühlte mich allein, denn ich hatte die Vorstellung, dass es nirgendwo auf der Welt Juden gäbe, die Ihm folgen wollten.

Wie sehr ich mich irrte! Seit damals habe ich durch die ganze Geschichte hindurch lange Aufzählungen von Juden entdeckt, die daran glaubten, dass Jesus der ersehnte Messias ist. Seine ersten Nachfolger waren Juden.

Heute sind wir eine Vielzahl!

Von 1981 bis 2005 war der als Jude geborene Kardinal Jean-Marie Lustiger der Erzbischof von Paris. Seine Mutter wurde in Auschwitz ermordet.

Kardinal Lustiger besucht Auschwitz | Quelle: Getty Images

Sein Leichnam ist in der Kathedrale Notre Dame in Paris beigesetzt. Die Gedenktafel bei seinem Sarg trägt seine eigenen Worte:

Ich wurde als Jude geboren.

Ich bekam den Namen

Meines Großvaters väterlicherseits, Aaron.

Nachdem ich Christ geworden bin

Durch Glauben und Taufe,

Bin ich Jude geblieben

So wie die Apostel …

Welches sind meine Helden?

Edith Stein inspiriert mich.

Edith Stein

Sie wurde in eine jüdisch-orthodoxe Familie in Wroclaw, Polen, hineingeboren. Ihre Reise, eine Nachfolgerin Jesu zu werden, begann eines Nachts, während sie die Autobiographie von Teresa von Avila (1515 – 1582), deren Familie jüdische Wurzeln hatte, las.

Edith Stein trat als Nonne in den Orden der Karmeliterinnen ein. Am 2. August 1942 wurde sie in Holland zusammen mit ihrer Schwester verhaftet. Die letzten überlieferten Worte an ihre Schwester, Rosa, waren: Komm, wie gehen für unser Volk.

Sie wurden beide in Auschwitz ermordet.

Das Judentum ist ein großes Zelt, das sich über viele Glaubensströmungen vom Chassidischen Judentum bis zum säkularen Judentum erstreckt.

Als messianische Jüdin gehöre ich dazu.