Rolf Schild (vorne ganz rechts) in Deutschland mit seiner Familie
Rolf Schild flüchtete genau wie ich mit dem Kindertransport von Köln nach England. Jedoch ging er früh im Jahr 1939 weg und ich brach später im Juli 1939 auf. Wir waren Teil derselben Rettungsaktion für jüdische Kinder, die dem Tod durch eilig organisierte Zugreisen entrissen wurden.
Die Familien Schild und Zack lebten in Wohnungen am Horst-Wessel-Platz (umbenannt nach einem brutalen Nazi-Helden).Die Wohnung der Schilds lag gleich neben der großen Synagoge, unsere direkt gegenüber.
Monate nachdem wir abgereist waren, wurden seine Eltern und meine am selben Tag deportiert, mit demselben Zug von Köln nach Lodz in Polen. Beide Elternpaare wurden in einem grauen Lastwagen vergast, der von Chelmno aus in den Wald gefahren wurde, wo ihre Leichname zu Asche verbrannt wurden.
Rolf und ich, wir sind uns nie begegnet, wir waren in Unkenntnis über unsere gemeinsame Geschichte.
Nach Jahren der Verdrängung hatte ich angefangen, langsam die Fülle von Schmerz über das gewaltsame, schlimme Ende meiner Eltern und meinen eigenen Verlust zu umarmen. Ich schrieb A Garland for Ashes (Titel der deutschen Übersetzung: Meine Krone in der Asche), um das Leben meiner Eltern zu ehren.
Hanna & Julian im Gespräch in Köln-Deutz
Im Oktober 2022 kam ich zurück nach Köln mit einem Filmteam, das eine Dokumentation drehte, i was 8814 (meine Kindertransport Nummer), und genau dort auf dem Bahnsteig, von dem aus unsere Eltern Deutschland nach Polen verlassen hatten, stießen die Geschichten der Schilds und der Zacks zusammen.
Rolf war 2003 verstorben, aber sein Sohn Julian kam aus London, und dort auf dem unterirdischen Bahnsteig umarmten wir uns. Wir hatten einander durch die Holocaust Forscherinnen Imogen und Amy gefunden.
Worte purzelten heraus, die unsere gemeinsamen, verborgenen, zerbrochenen Familiengeschichten beschrieben, die der Schilds und der Zacks. Jeder von uns begierig, die Leerstellen im Verständnis zu füllen.
Wie war das etwa mit Chelmno und den Verbrennungsöfen im nahegelegenen Wald? Wie können wir das Ende unserer Liebsten an diesen schrecklichen Orten ehren?
Im Jahr 2010 haben George und ich zusammen mit 8 engen Freunden Lodz, Chelmno und den Verbrennungsofen im Wald besucht am Jahrestag, des Tages, an dem Amalie und Markus Zack ihre letzten Atemzüge gemacht haben. Wir haben als Minjan (Mindestzahl von 10 Menschen, die im Judentum einen Gottesdienst abhalten können) das Klage-Kaddish rezitiert.
Unsere Gruppe beim Gedenken an meine Eltern am Verbrennungsofen 2010
Julian im Wald nahe Chelmno, während er seine Großeltern zusammen mit Lehrern aus dem vereinigten Königreich ehrt
Im Jahr 2025 hat Julian Chelmno und den Wald zweimal besucht, zunächst mit seiner Familie und dann mit einer Gruppe britischer Lehrer.
An einer Gedenkmauer hat er zwei Plaketten platziert, eine für seine Großeltern und eine andere für die weitere Familie.
Vor Kurzem, am 4. Januar 2026, haben Julian und ich nochmals über die Verflechtung unserer Lebensgeschichten im Hinblick auf unsere Vorfahren gesprochen, indem wir non-stop telefoniert haben, erfüllt mit Verwunderung, Sorge und Dankbarkeit.
Errettung der Vergangenheit!
Mein Visum … die Genehmigung, Deutschland zu verlassen