Markenbildchenweg, zwei Häuser, das eine restauriert, das andere ersetzt das zerbombte Wohnhaus meiner Tanten | Fotografin: Cécile

Meine drei Tanten, Johanna, Dorothea und Elisabeth Schneider, gerufen Hanna, Dora und Elisabeth, wohnten in der Erdgeschosswohnung im Markenbildchenweg 30 in Koblenz am Rhein.

Ich erinnere mich an einen Besuch bei ihnen, vielleicht war ich 5 Jahre alt, bei dem ich in einem eleganten Zimmer stand und den Kronleuchter betrachtete, der über einem großen, polierten Holztisch hing; dabei bemerkte ich, dass Tante Hannas Schreibmaschine auf die Berührung durch ihre Finger wartete.

Es war Frühstückszeit und ich folge Tante Hanna durch einen schmalen Durchgang, der in die kleine Küche führt, wo sie für mich ein Ei genau so weich gekocht hat, dass ich kleine Stücke gebuttertes Roggenbrot in das Eigelb tunken kann, nachdem sie die Spitze sauber abgeschnitten hat.

Sie wohnten in der Parterrewohnung eines Gebäudes im Stil des 19. Jahrhunderts am oberen Ende einer Straße mit ähnlich verzierten Gebäuden.

Bis zu dem Tag, als sie es nicht mehr taten.

Sie wurden aus der Stadt Koblenz, so wie andere Juden, entfernt und dazu gezwungen, in einem ‚Judenhaus‘ in dem kleinen, nahegelegenen Ort Gondorf zu leben.

Das sollte der Beginn ihrer letzten Reise sein.

Hanna, Dora und Elisabeth verließen das Elend von Gondorf mit dem Zug zum Ghetto in Izbica, Polen, und dann, verschwanden sie.

Hat eine hochansteckende Typhus Epidemie ihre Lebenslichter ausgelöscht? Oder wurden sie im nahegelegenen Vernichtungslager Belzec ermordet?

Als ich anfing ‚A Garland for Ashes‘ [Titel der deutschen Ausgabe ‚Meine Krone in der Asche‘] zu schreiben, ein Gedenken, das meine Eltern und Tanten umarmt, reiste ich nach Deutschland zurück, um die Orte glücklicher Erinnerungen und schmerzhafter Verluste zu besuchen und zu besichtigen.

Und auch wenn ich die Wohnungen, in denen meine Familie einst ihr normales Alltagsleben verbracht, gelacht, geliebt und gefürchtet hat, nicht mehr besuchen kann,

bin ich doch zum Gehsteig vor ihren ehemaligen Adressen zurückgekehrt und habe meine Füße genau dort platziert, wo nach meiner Vorstellung meine Eltern und meine Tanten gestanden haben; ich kniete nieder und sah mir die Stolpersteine genau an,

die kleinen Pflastersteine aus Messing, die in den Gehweg eingebettet wurden, um die Wahrheit über das Ende meiner Familie zu erzählen.

Stolpersteine für meine drei Tanten | Fotografin: Cécile

Warum liegen weiße Rosen auf dem Pflaster, und wer ist Cècile, die Fotografin?

Instagram!

Cècile und ich, wir haben uns auf Instagram kennengelernt!

Sie hat ein Foto von Koblenz gepostet und ich habe ihr von dem Besuch bei meinen Tanten in Koblenz geschrieben.

Sie fragte, ob ich mich an ihre Adresse erinnern könne.

Postkarte, die meine Tante Hanna im Juli 1939 in meinem Gepäck untergebracht hat

Ich schickte ihr die Postkarte mit der Adresse meiner Tante. Cècile schrieb zurück, in dieser Straße wohne ich!! Und dies sind die ersten Stolpersteine, die ich bemerkt habe.

Yom Hashoah

Am 14. April hat die Jüdische Gemeinschaft hier in Phoenix unsere Nachbarn zu einer feierlichen Zeremonie willkommen geheißen, um diejenigen, die wir verloren haben, und jene, die überlebt haben, zu ehren.

Das Programmheft enthielt Ehrungen für diejenigen, um die wir trauern.

Design Micah Dailey